Perspektiven

Verantwortung – Teil 1: Wie entsteht Verantwortung?

Verantwortung

Verantwortung für etwas zu tragen verpflichtet gegenüber der Mitwelt. Beziehungen zwischen Menschen und in Organisationen bauen darauf. Eigentlich überraschend, dass heute so oft über nicht wahrgenom­mene Verantwortung, über Mangel an Verantwortungs­be­wusst­sein, Verantwortungsbereit­schaft und auch Eigenverantwortung geklagt wird.

Wichtiger noch als Ursachenforschung sind aber die Fragen: Wie wird Verantwortungsbe­wusst­sein erzeugt? Wie kann daraus Verantwortungsbereitschaft entstehen? Und wie kann Verantwortung wirkungsvoll übertragen werden – sodass sie danach auch getragen wird?

Alle Erfahrung zeigt, dass Verantwortung und die damit verbundenen Tugenden nicht direkt „erzeugt“ werden können. Verantwortungsbewusstsein, Verant­wor­tungs­bereitschaft und Verantwortung sind immer Folgen vorgelagerter Einflüsse und Voraus­setzun­gen.

Die folgende Zusammenstellung fokussiert auf das Verhältnis zwischen Führungskräften (FK) und MitarbeiterInnen (MA) in Organisationen, auf die daraus resultierenden wechsel­seiti­gen Verantwortlich­keiten und auf mögliche Aktionen, um die eingangs erwähnten Defizite zu füllen.

Verantwortung

Wie entsteht Verantwortung?

  1. Verantwortung ist ein Geben und Nehmen aller, d.h. der Organisation als solcher, der FK und der MA. Es muss allen klar sein, welche Verantwortungen Organisation und FK übernehmen und tragen – und welche die MA.
  2. Unternehmens- und andere übergeordnete Ziele müssen allgemein bekannt sein, damit sich untergeordnete Ziele z.B. einer Abteilung, eines Teams, der Einzelnen daraus ableiten lassen.
  3. Um diese Ziele zu erreichen, müssen von den Mitgliedern der Organisation Aufgaben zur eigenverantwortlichen Erledigung übernommen werden. Diese Eigenverantwortung setzt sowohl Verantwortungsbewusstsein als auch Verantwortungsbereitschaft voraus.
  4. Jeder Maler ist verantwortlich für das Bild, das er kreativ aus vorhandenen Farben kom­poniert. Zur Führungsaufgabe gehört es, die zugeordneten MA kreativ zum Erfolg zu führen, ihre Farben zum Leuchten zu bringen. Daraus resultiert die Führungsverant­wor­tung jeder FK.
  5. MA haben die mit ihnen vereinbarten Aufgaben eigenverantwortlich zu erfüllen und ihre Entscheidung für die per Arbeitsvertrag eingenommene Position immer wieder zu bestätigen. Damit übernehmen sie Verantwortung für sich selbst.
  6. FK übernehmen durch Delegation von Verantwortungsbereichen auch Verantwortung für Fehler ihrer MA, weil es Führungsaufgabe ist, die richtige Person mit der passenden Kompetenz unter den notwendigen Voraussetzungen an den richtigen Platz zu bringen. An den Antworten der FK auf die Frage „was tun Sie, damit … künftig besser wird / … vermieden wird?“ wird erkennbar, ob die FK selbst kompetent genug ist, diese Verant­wortung zu übernehmen (Veränderungen einleiten, aus- und weiterbilden, Lösungs­optionen gemeinsam erarbeiten, Unterstützung organisieren, Verhalten demonstrieren).

 

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Der Beitrag „Verantwortung“ besteht aus 4 Teilen:
Teil 1: Wie entsteht Verantwortung? (dieser Teil)
Teil 2: Verantwortungsbewusstsein
Teil 3: Verantwortungsbereitschaft
Teil 4: Verantwortung übertragen und übernehmen

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Quellenhinweis: Bei der Erstellung dieses Textes habe ich auf eigene Führungs-, Beratungs- und KundInnen-Erfahrungen zurückgegriffen, viele Anregungen verdanke ich aber auch Blog-Beiträgen von Burkhard Heidenberger, Günther Panhölzl und Dieter Lederer.

Foto von russn_fckr via unsplash

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